Die Konstitution des Menschen | |
Einführung | |
|
Wir sind in unserem Leben vielen Menschen begegnet - im Familienkreis, im Freundeskreis, auf beruflicher Ebene. Wir sehen Menschen auf der Straße, in Zeitschriften, im Fernsehen. Wir erleben Politiker, Schauspieler, Menschen unserer Zeitgeschichte. Jeder hat seinen unverwechselbaren Kopf, seine Gestalt, seine Sprache, seine Mimik, sein besonderes Gebaren. Jeder unterscheidet sich vom anderen. Aus diesen Besonderheiten der körperlichen, seelischen und geistigen Merkmale fügt sich die Einmaligkeit eines Menschen zusammen. Jeder hat seine ihm eigene "Zusammen-Setzung", seine ihm eigene "con - stitutio". Und das Ergebnis jahrzehntelanger anthropologischer Studien lautete dann - überspitzt: So viel Menschen, soviel Konstitutionen. Ärzten fiel nun immer wieder auf, dass sich bestimmte Eigentümlichkeiten eines Menschen häufig an bestimmte andere Eigentümlichkeiten knüpften. Ein simples Beispiel: Der füllige barocke Typ hat meist einen gesegneten Appetit; er verträgt alles in erstaunlichen Mengen; Kälte macht ihm nicht viel aus. Im Gegensatz dazu der blasse magere Typ: Er klagt über kalte Hände und Füße; er leidet unter der Kälte; er ist verdauungsempfindlich, oft sogar verdauungsschwach. Auch die Temperamente, die Charaktere, zeigen Unterschiede. Sie spiegeln sich - schnell erkennbar - im Gesicht, in der Mimik, in der Gestik wider, auch in körperbaulichen Besonderheiten: Es gibt den lebhaften impulsiven rundlichen Typ - und den verhaltenen, mehr in sich gekehrten schlanken Typ. Man sah, dass sich ein Merkmal in typischer Weise an ein zweites und dann an ein drittes Merkmal koppelte. Man entwickelte eine Typologie der Merkmale, eine Typologie der Konstitutionen, eine Konstitutions-Typologie. Wie sich weiter herausstellte: Es gibt konstitutions-typische Unterschiede im Funktionsmuster von Kreislauf und Stoffwechsel - immer dann, wenn Kälte, Wärme, Hitze, Nahrung, Bewegung und andere "natürliche" Einflüsse, auch naturheilkundliche Behandlungsmaßnahmen an den Menschen herangetragen werden. Diese konstitutionstypologischen Unterschiede sind bei der Durchführung einer "der Natur des Kranken angepassten Therapie" zu berücksichtigen. Der Arzt soll ja individuell behandeln. Ein markantes Beispiel in der nachfolgenden Abbildung: gesunde Personen baden in der kalten Nordsee. Bei mageren Personen fällt die Körpertemperatur, die Bluttemperatur, nach dem Bad um 2,5 Grad ab, bei adipösen steigt sie um 1 Grad an. Es liegt eine Fülle experimenteller Befunde vor, die diese konstitutionstypischen Eigenarten und Reaktionsweisen zu erkennen geben. Nur bei Berücksichtigung dieser konstitutionellen Eigenarten ist eine optimale, eine individuelle, eine der jeweiligen Natur angepasste Therapie möglich. | |
|
Die Änderungen der Kerntemperatur (Sigmoid) nach
einem kalten Seebad bei12 männlichen Versuchspersonen mit unterschiedlich dickem Subkutanpolster.
Einheitliche Bedingungen im Wasser: Badedauer 10 Minuten, Wassertemperatur
15 Grad Celsius, ruhige Schwimmbewegungen. | |
|
zur Themen-Übersicht früher und aktuell veröffentlichter Beiträge |