Therapeutische Indikationen für naturheilkundliche DiätetikProf. Dr. med. Karl Pirlet |
Einstieg in wichtige Fragestellungen |
Ich habe mich in Jahrzehnten diätetisch-therapeutischer Arbeit, in klinischer und ambulanter Praxis, nicht davon überzeugen können, dass Kranken, vor allem verdauungsgestörten Menschen durch betonte Hochwertigkeit, durch Vollwertigkeit der Nahrung auf Dauer geholfen werden konnte. „Erhöhung der Nährstoffdichte“ durch Naturbelassenheit half nicht. Vorteilhaft in jeder Beziehung erwies sich aber das schonsame Aufbereiten leicht verdaulicher Nahrung dem Patienten in häufigeren knappen Einzelportionen angeboten. Die seit Jahren, oft schon lebenslang malträtierten, später destruierten und leistungsschwachen Verdauungs- und Stoffwechselsysteme dürfen nicht gefordert und gleich zu Anfang „trainiert“ werden. Hier gelten die gleichen klinischen Grundsätze, wie sie für den chronisch Herzkranken, für den Gefäßkranken, für den Lungenkranken, eigentlich für jeden Organgeschädigten gelten. Grundsätze, die auch schon von jedem sogenannten „Gesunden“ zu respektieren wären. Ich kenne auch keine wirklich Verdauungs-Gesunden, an die sich angeblich die Vollwert- und Ernährungsexperten zu wenden pflegen. Man zeige sie mir! Ich warne alle Ernährungs-Ideologen, alle Ernährungs-Theoretiker (fast immer medizinische Laien), diese klinischen Erfahrungssätze zu missachten. Sie treiben mit öffentlichen Auftritten, mit Publikationen, mit großen Artikeln in Illustrierten und Fernsehzeitschriften Millionen Menschen langsam, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit, nach Jahren und Jahrzehnten in die Krankheit. Wir Ärzte bekommen die späten Schäden dann in vielfältigster Form in unseren Ordinationen und Kliniken zu sehen. Und üblicherweise gibt es dann nur noch Rezepte, eins nach dem anderen. Man glaubt, bei diesen desaströsen Krankheitsbildern mit Chemotherapeutika helfen zu können. Nach den Ursachen, nach den groben Fehlern in der Ernährung fragt keiner mehr. Der Ernährungsberater bekommt von diesen Spätschäden, von diesen finalen Katastrophen, nichts mehr zu hören. |